Das zweite Mal Haarverlust: Dieses Mal mit Happy End

Haarverlust in der Kindheit: Meine erste Erfahrung mit der Alopezie

Im Alter von zehn Jahren habe ich das erste Mal alle meine Körperhaare verloren. Es war kurz nach meinem Geburtstag und kurz vor dem Start in der weiterführenden  Schule. Meine langen braunen Haare gingen plötzlich büschelweise aus. Ich weiß nicht, für wen es schlimmer war, für meine Mutter oder für mich. Ende der 1980er Jahre konnte man weder online recherchieren noch nach Hilfsangeboten suchen, also gingen wir zuerst zum Kinderarzt und von dort aus weiter zum Dermatologen. 

Während meine Mutter Angst hatte, es sei was Schlimmes, hatte ich nur Angst vor den Blicken. Und den Prozeduren. Ich musste stark brennende Tinkturen mit hohem Alkoholgehalt auf die Kopfhaut auftragen und unter einem altersschwachen Rotlicht-Gerät sitzen, während es draußen 30 Grad warm war. Doch all das half nicht und die kahlen Stellen ließen sich bald nicht mehr kaschieren. 

Letzten Endes bekam ich ein Rezept für eine Perücke und hoffte, dass dann die Blicke aufhören würden. Aber als wir in das einzige Geschäft der Stadt gingen, gab es dort nur Modelle für ältere Damen. Nach der dritten Perücke, die eine Mischung aus Chrystel Carrington aus der damals beliebten Serie Denver Clan und den Jacobs Sisters war, bin ich weinend aus dem Geschäft gerannt. Für mich war damals entschieden: nie wieder Perücke. 

Die Haare kamen wieder, aber die Angst ging nie ganz weg

So blieben bunte Mützen für zwei Jahre meine ständigen Begleiter. Dank meiner besten Freundin an meiner Seite bin ich tapfer in die neue Klasse gegangen. Dort hat meine Klassenlehrerin sofort gesagt, was mit mir los ist und es war kein großes Thema mehr. Kinder können so cool sein. Es war trotz der Unterstützung gerade für mich als Mädchen schwer in meinen Augen so “häßlich” auszusehen. Ich weiß bis heute nicht, wie ich das damals geschafft habe. 

Zwei Jahre später wuchsen die Haare dann dank einer Cortisontherapie wieder und bei meinem allerersten Konzert hatte ich etwas Flaum auf dem Kopf. Auch wenn die Haare viel dünner als früher zurückkamen. Ich war erstmal glücklich, wieder “normal” auszusehen. Aber es blieb natürlich immer die Sorge, dass es plötzlich wieder passiert.

Das zweite Mal Haare verlieren: Alopezie im Erwachsenenalter

Nach fast dreißig Jahren passierte es dann völlig unerwartet zum zweiten Mal. Ich hatte einen sehr anspruchsvollen, stressigen Job als Filmproduzentin und meine Haare ließen Federn. Dieses Mal über einen längeren Zeitraum. Ich schob es auf Stress und nachweislichen Eisenmangel. Mittlerweile kannte man das Phänomen im Internet, es gab Kongresse, Selbsthilfegruppen, Sachbücher und spezialisierte Ärzte. 

Ich habe wieder einiges versucht. Aber als mir an einem sonnigen Nachmittag wiederholt sehr schmerzhafte Spritzen in die wenig betäubte Kopfhaut gejagt worden waren, war bei mir Schluss. Ich wollte nicht mehr leiden - weder monetär noch körperlich. Ich musste meine Perücken-Phobie überwinden. Dieses Mal gab es immerhin ein paar moderne Modelle - wenngleich aus etwas unnatürlich glänzendem Kunsthaar. So richtig glücklich war ich mit der Auswahl nicht. Der Vorteil war aber, dass mir die Kunsthaarperücken bei der Akzeptanz geholfen haben. 

Braune Perücke weht im Wind

Perücken als natürlicher Haarersatz: Mein Weg zur Akzeptanz

Das Loslassen - sprich abrasieren - der letzten Strähnen war ein wichtiger Moment: Ich musste nicht mehr verbergen, was ohnehin sichtbar war. Es gibt einen markanten Spruch aus dem Film “Fight Club” mit Brad Pitt, der es für mich sehr genau trifft: 

Erst wenn wir alles verloren haben, haben wir die Freiheit, alles zu tun. 

Ich klammerte mich nicht mehr an die wenigen Haare, ich akzeptierte meine nicht (!!) lebensbedrohliche Krankheit und trug meine Perücke wirklich gerne. Sie gab mir die Freiheit zurück, nicht mehr ständig an die Krankheit erinnert zu werden. Und die Freiheit, alles wieder zu tun, ohne die Sorge und die Scham vor den Blicken der anderen auf meinen kahler werdenden Kopf.

Endlich glücklich mit der Echthaarperücke von NUUDA

Nach ein paar Jahren habe ich dann sogar noch die perfekte Perücke gefunden, als ich - wie so oft im Leben - gar nicht danach gesucht habe. In einem Zeitungsartikel wurde ich auf NUUDA aufmerksam und war von den Fotos sofort begeistert. Noch aus dem Urlaub vereinbarte ich einen Online Beratungstermin, in welchem Konstanze mit mir das für mich passende Modell auswählte und mir nach Berlin zu schickte.

Verschiedene Perücken Modelle von hinten

Die Echthaarperücke von NUUDA war und ist perfekt. Das Haar hat einen völlig natürlichen Look, bewegt sich natürlich im Wind und glänzt nicht künstlich. In der Sonne verändert sich die Farbe und das eingeschnittene Baby-Haar sorgt für den letzten natürlichen Feinschliff. 

Die feine Lace, auf welche die Haare geknüpft werden, sieht an der Stirn aus wie die natürliche Kopfhaut und erlaubt, dass ich den Scheitel dort hinlege, wo ich ihn haben will. Das Haar lässt sich stylen und das Haar bewegt sich mit, wenn ich mich bewege. 

Genau so habe ich es mir - und anderen - immer gewünscht. Diese Perücke gefiel auch meinem zehnjährigen Ich sofort.

Wie eine Perücke mir Selbstbewusstsein zurückgab

Ich freue mich jeden Tag darüber, dass ich nicht mehr über meine eigenen fehlenden Haare nachdenken muss. Ich habe den Status nicht nur akzeptiert, sondern bin richtig glücklich mit meinem Haarersatz. Ich spare mir lieber ein paar Klamotten oder Krimskrams, um mir die jährliche Zuzahlung leisten zu können. Denn das Gefühl, endlich das Haar zu haben, was ich mir immer gewünscht habe, ist unbezahlbar. Und wahrscheinlich wäre solches Haar bei mir immer ein Wunschtraum geblieben. 

Dieses Mal gibt es dank des Haarersatzes ein echtes Happy End zwischen mir und der Alopezie. 

Fazit

Mein zweiter Haarverlust war zunächst ein Schock – aber auch eine Chance. Während ich als Kind vor allem Scham gespürt habe, konnte ich beim zweiten Mal lernen, die Krankheit zu akzeptieren. Die moderne Auswahl an Perücken, mein eigenes Umdenken und die Entdeckung von NUUDA haben mir geholfen, mein Selbstbewusstsein zurückzugewinnen. Heute denke ich kaum noch über meinen Haarverlust nach - er ist kein Makel mehr, sondern Teil meiner Geschichte mit einem echten Happy End.

Zur Autorin

Mein Name ist Geraldine und ich schreibe über Nachhaltigkeit, Reisen und Projekte, die mir wichtig sind. So wie NUUDA. Seit zehn Jahren bin ich krankheitsbedingt (Alopezie) Perückenträgerin. Seit einem Jahr trage ich eine Echthaar-Perücke von NUUDA und möchte hier ganz einige meiner Erfahrungen mit Euch teilen. Nachfragen sind ausdrücklich willkommen!

Foto der Autorin Geraldine
Fotocredit Geraldine: Josefine Winkler

 

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